Allerheiligentag

Allerheiligen ist ein Feiertag zum Gedenken an alle bekannten und unbekannten Heiligen. Im Jahre 731 n. Chr. wurde der 1. November als Tag des Gedenkens aller Heiligen bestimmt, die keinen eigenen Feiertag besaßen. Das offizielle Datum des 1. Novembers, anerkannt von der römisch-katholischen und protestantischen Kirche, wurde von Papst Gregor III. als alljährlicher Feiertag eingeführt, als dieser eine Kapelle in der Basilika St. Peter allen Heiligen weihte. Die orthodoxe Kirche feiert Allerheiligen am ersten Sonntag nach Pfingsten. In vielen Kulturen folgt auf Allerheiligen der Feiertag Allerseelen, an dem um die Verstorbenen getrauert wird.

In den meisten Kulturen kommt die Familie zusammen und legt Blumen auf die Gräber verstorbener Familienmitglieder und Freunde. Da dieses Fest in einer kälteren Zeit des Jahres stattfindet, ist die Chrysantheme – geschnitten oder als Pflanze – die beliebteste Blume des Feiertags.

Wie wird Allerheiligen in den verschiedenen Ländern gefeiert?

In Frankreich heißt der Feiertag Toussaint. Jährlich stehen am 1. November rund 25 Millionen Blumentöpfe mit Chrysanthemen auf französischen Gräbern. Die Friedhöfe leuchten in den Farben der Blumen und der Feiertag wird öffentlich gefeiert.

In England besuchen Familien die Gräber verstorbener Familienmitglieder und schmücken sie mit Blumensträußen. In den Kirchen werden auf Wunsch die Namen der Toten verlesen und in manchen Regionen werden abends Theaterstücke aufgeführt und Lieder gesungen.

In Schweden ist es häufig recht kalt und es liegt Schnee. Gräber werden meist mit einer Vase Heidekraut geschmückt, da dieses nicht empfindlich auf die Kälte reagiert. Allerheiligen ist in Schweden kein gesetzlicher Feiertag mehr, viele Menschen nehmen den Tag jedoch frei und besuchen entweder den Friedhof oder verbringen den Tag mit der Familie. Kirchen organisieren Gottesdienste oder Konzerte, um den Tag zu feiern. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen die Menschen die Gräber der Verstorbenen mit Kerzen zu schmücken. Dieser Brauch fand seinen Ursprung bei der wohlhabenden Stadtbevölkerung. Nach dem zweiten Weltkrieg breitete er sich jedoch im ganzen Land aus. Allerheiligen wird als erster Tag des Winters angesehen und ist traditionell der Beginn der Skisaison.

In Polen ist Allerheiligen ein Feiertag, der am 1. November gefeiert wird, und Wszystkich Świętych heißt. An Allerseelen, dem Tag nach Allerheiligen, wird Zaduszki gefeiert. Dies ist ein sehr wichtiger und geschäftiger Tag. Jeder Friedhofsparkplatz ist bis auf den letzten Platz voll und rund um die Friedhöfe verkaufen Händler Herbstblumen und Kerzen.

Uniformierte Wachen stehen an Militärgräbern. Chrysanthemen sind die wichtigsten Blumen dieses Feiertags und werden ausschließlich mit dem Tod in Verbindung gebracht. Abends schaffen die unzähligen brennenden Kerzen auf den Friedhöfen ein atemberaubendes Bild und sollen helfen, den Weg zu Gott zu beleuchten.

Slowakische Traditionen ähneln stark den polnischen. Slowaken besuchen an Allerheiligen ihren Heimatort und legen manchmal weite Strecken zurück, um ihre gesamte Familie und die Friedhöfe, auf denen ihre Vorfahren begraben liegen, zu besuchen. Gräber werden mit Blumen bedeckt und es werden Kerzen angezündet. An diesem Tag wird der verstorbenen Familienmitglieder gedacht, über das eigene Leben reflektiert und zusammen mit der Familie gegessen.

Ähnlich anderer osteuropäischer Kulturen ist Allerheiligen auch in Slowenien ein Nationalfeiertag. Staatsbeamte schmücken im ganzen Land während der Zeremonien die Friedhöfe mit Kränzen.

Spanien feiert dieses Fest während des 31. Oktobers und des 1. und 2. Novembers. Es wird allgemein als Tag der Toten bezeichnet. Feierlichkeiten und Paraden sind ein wichtiger Bestandteil dieser Tradition, wie auch Aufführungen des Stücks Don Juan Tenorio. Abends versammeln sich die Menschen auf Friedhöfen und beten für ihre verstorbenen Freunde und Familienmitglieder und legen Tagetes und andere Geschenke an deren Gräber.

In Italien ist Festa di Tutti i Santi am 1. November sowohl ein religiöser als auch ein gesetzlicher Feiertag. Er findet zum Gedenken an alle katholischen Heiligen statt und ist ein Tag, an dem Menschen ihre Familien und Freunde besuchen, einander Geschenke geben und ihrer Zuneigung Ausdruck verleihen. Auch für Italiener, die den Namen eines Heiligen tragen, ist es ein besonderer Tag.

In Deutschland nennt man den Feiertag Allerheiligentag. In manchen Regionen ist er ein gesetzlicher Feiertag. Ein traditioneller Schmuck für Gräber ist der Newweling, eine traditionelle Kerze aus zwei Dochten verschiedener Farbe (rot, weiß, blau, gelb oder grün), die um einen Kegel gewickelt und angezündet werden.

Es ist deutsche Tradition morgens in der Kirche Gottesdienste zu besuchen, die daran erinnern, das Leben wie ein Heiliger zu führen. Danach kommt der weitere Familienkreis für ein Mittagessen zusammen und lauscht dem Klang der Kirchenglocken. Es heißt, die Seelen der Verstorbenen verweilten unter den Lebenden und das Glockenläuten sei ein Zeichen dafür, dass sich die Seelen von allen irdischen Fesseln befreiten. Nach dem Essen finden Festzüge zu den Friedhöfen statt, an denen die Gräber der Verstorbenen liebevoll geschmückt werden. Familien bringen häufig Kerzen oder Laternen und legen Blumen und immergrüne Pflanzen auf die Gräber. Kinder erhalten von ihren Pateneltern das traditionelle Brot des Feiertags, den Strietzel. Nach dem traditionellen Besuch der Familiengräber auf dem Friedhof wird das süße, geflochtene Brot häufig nachmittags bei Kaffee und Kuchen gegessen.